Weißabgleich und Farbtemperatur

Alles was den ersten Teil von colymp (colymProfiler) betrifft: Erstellen einer Kalibrierung
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martin0reg
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Weißabgleich und Farbtemperatur

Beitrag von martin0reg » Sa 29. Dez 2012, 23:58

Ich arbeite mich noch ein und hab inzwischen gemerkt, dass die ergebnisse beim profilieren sehr stark davon abhängen, in welcher beleuchtung und mit welchem weißabgleich man den muster-ausdruck abfotografiert.
Dazu steht ja auch einiges im handbuch...

Nun habe ich aber tendenziell bei ALLEN test-durchläufen ziemlich kalte, also bläuliche druck-ergebnisse, mit verschiedenen Profilen.
Ausprobiert hab ichs mit einer sony rx100 und einer panasonic gf1, bei beiden kameras kann man den weißabgleich recht genau manuell einstellen, auch in kelvin-graden.
Als beleuchtung hab ich tageslicht und halogen-kunstlicht probiert.
Eventuell hab ich mich an die warmen druckerfarben aus meinem canon mp810 gewöhnt, glaube aber, dass meine colymp-ergebnisse auch objektiv eindeutug zu kalt, also zu bläulich werden.
Mehr dazu hier: http://www.dslr-forum.de/showthread.php ... 409&page=2

Auch mein "workaround" funktioniert nicht wirklich: das abfotografieren mit übertrieben kaltem weißabgleich führte zwar zu einem wärmeren colymp-profil, aber dafür stimmen die farben allgemein nicht mehr so gut (vor allem blau wird dann zu rötlich). Ich wundere mich auch wie wenig so eine profilierung auf ein extra kalt eingestelltes testfoto dann hinterher in richtung warme farben ausrichtet.
Ist diese methode eventuell abwegig, weil bei der colymp-profilierung ein "eigebauter weißabgleich" drin ist, anhand der weißen felder...?
Aber im handbuch steht doch, wenn man eine bestimmte farstimmung erhalten will, zB für betrachtung bei kerzenlicht, soll man dieses licht auch für das muster-foto verwenden. So bin ich auf diese idee gekommen...

Was gibts noch für methoden, die profilierung im richtung "wärmer" zu gestalten - natürlich ohne einen rotstich in einzelnen farben zu bekommen!?

Hoffentlich ist mein problem verständlich dargestellt...die grundsätzliche methode der profilierung ist gut, die kontraste sind sehr fein abgestuft, die farben sind in sich stimmig - leider bei mir zu kalt .. oder nur für kerzenlicht-betrachtung...

PS: Nun bin ich darauf gestoßen, dass man ja mehrere muster-fotos in die profilierung einbeziehen kann, das ergebnis wird besser. Ich hab je zwei fotos aus beiden kameras (s.o.) zusammen rechnen lassen.
Ein so erstelltes profil kann man dann eventuell auch für fotos aus anderen kameras verwenden, ich hab mal einen vergleich mit einem drucker-testfoto aus dem netz angehängt:
oberer ausdruck mit colymp profil, unterer ausdruck mit canon-treiber.

Kann sich sehen lassen, finde ich..
(wenn auch eine zusätzliche option für die farbtemperatur super wäre..)
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Re: Weißabgleich und Farbtemperatur

Beitrag von colympat » Fr 4. Jan 2013, 22:15

martin0reg hat geschrieben:Auch mein "workaround" funktioniert nicht wirklich: das abfotografieren mit übertrieben kaltem weißabgleich führte zwar zu einem wärmeren colymp-profil, aber dafür stimmen die farben allgemein nicht mehr so gut (vor allem blau wird dann zu rötlich). Ich wundere mich auch wie wenig so eine profilierung auf ein extra kalt eingestelltes testfoto dann hinterher in richtung warme farben ausrichtet.
Die Idee ist eigentlich richtig und funktioniert auch. Aber nur dann, wenn der Weißpunkt der Kalibrierung auch für den Druck verwendet wird. Üblicherweise wird dies aber nicht gewollt: Man will ja, dass der Weisspunkt in einem Bild (RGB 255,255,255) als reines Papierweiss gedruckt wird.
Wenn man in colymProfiler unter Tools>Ausgabeabsicht hingegen den Wert "absolut farbmetrisch" wählt (oder in colymPrinter unter "Einstellungen ändern"), bleiben alle Farben (also auch das Weiß) beim Druck erhalten. Anders gesagt: nur bei dieser Einstellung bewirkt ein Fotografieren des Kalibriermusters bei Kerzenschein und der anschließende Druck eines Bildes, das bei Tageslicht aufgenommen wurde, eine extrem blaue Wiedergabe (sofern beide Bilder mit dem gleichen, fixen Weißabgleich in der Kamera aufgenommen wurden). Das gleiche gilt, wenn man den Weißabgleich beim Fotografieren des Kalibriermusters so einstellt, dass dieses Bild sehr warm ist.
Bei allen anderen Einstellungen für "Ausgabeabsicht" macht colymp eine automatische Anpassung des Weißpunktes auf das Papierweiß. Auch alle anderen Farben insbesondere die Grautöne sind von dieser "Adaption" betroffen. Die Grautöne sollten also auch neutral gedruckt werden. Das ganze funktioniert zwar, aber leider nicht immer 100%ig exakt. Das Problem hierbei ist, dass unter gewissen Umständen die Kamera ein gedrucktes (von colymp kalibriert) Grau und ein tatsächlich neutrales Grau (Graukarte) als gleich sieht, aber das menschliche Auge nur das gedruckte Grau als farbstichig wahrnimmt. Der Grund hierfür ist eng mit dem Problem der Metamerie (s. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Metamerie_%28Farblehre%29) verwandt: Die R, G, und B Sensoren in der Kamera reagieren auf Farbunterschiede anders als die Stäbchen und Zäpfchen im menschlichen Auge. Ein "richtiges" Farbmessgerät misst deshalb X, Y und Z Werte (bzw. es misst das Spektrum und berechnet aus dem Spektrum X,Y und Z, man spricht dann von einem "Spektralphotometer"). Aber auch hier gibt es mit den Grauwerten immer wieder Probleme. Dies liegt z.B. daran, dass die Gewichtungsfunktionen für X, Y und Z Mittelwerte von mehreren Personen sind und es sicherlich individuelle Unterschiede gibt. Siehe hierzu auch die (endlose) Diskussion über die in sehr vielen Papieren vorhanden optischen Aufheller und deren messtechnische Erfassung...
martin0reg hat geschrieben:Was gibts noch für methoden, die profilierung im richtung "wärmer" zu gestalten - natürlich ohne einen rotstich in einzelnen farben zu bekommen!?

Leider derzeit noch keine richtig gute: man könnte z.B. in Photoshop das Bild des Kalibriermusters in den Mitteltönen etwas wärmer machen (den Weißpunkt zu ändern bringt aus oben genanntem Grund nichts) und erst dann in colymProfiler auswerten.
Für colymp ist allerdings eine Erweiterung geplant, damit man manuell Einfluss auf die Grauachse (oder andere Farben) nehmen kann. Auch die ganz teuren Profilierlösungen bieten aus gutem Grund solche Manipulationen an.

Man darf trotz des oben gesagten aber die Wirkung des Beleuchtungslichtes nicht vergessen: Hierbei spielt die Lichtfarbe des Lichtes weniger eine Rolle (die wird ja durch den Abgleich auf das Papierweiß wieder korrigiert) als vielmehr die spektrale Zusammensetzung. Im Handbuch (http://www.colymp.com/media/download/Handbuch.pdf) stehen hierzu im Kapitel 5.2.4 ein paar nützliche Hinweise (Stichwort "CRI").
martin0reg hat geschrieben: Ich hab je zwei Fotos aus beiden Kameras (s.o.) zusammen rechnen lassen.

Der Tipp ist prima! Er wird in das Handbuch übernommen, Danke!

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